TSCA fordert von der EU branchenspezifische Nachhaltigkeitsrahmenwerke

Niederlande, 31. März 2026 – Die Tourism Sustainability Certifications Alliance (TSCA), ein Zusammenschluss führender Nachhaltigkeitsorganisationen im globalen Reise- und Tourismussektor, bekräftigt heute ihre volle Unterstützung für die Umweltziele der Europäischen Union und appelliert gleichzeitig an die politischen Entscheidungsträger*innen, branchenspezifische Umsetzungsrahmen für Tourismus und Gastgewerbe einzuführen.

Branchenspezifische Regeln für nachhaltigen Tourismus

Die TSCA weist darauf hin, dass die Nachhaltigkeitsagenda der EU zwar ambitioniert bleibt, ihre Umsetzung jedoch durch häufige politische Änderungen – etwa die Unsicherheiten rund um die Green Claims Directive (GCD) – erheblichen Planungs- und Compliance-Risiken ausgesetzt ist. Insbesondere die Unklarheit rund um die GCD erschwert es Unternehmen, die bereits umfangreich in die Vorbereitung auf die Einhaltung investiert haben, ihre Abläufe effizient zu gestalten.

„Wir unterstützen die Nachhaltigkeitsziele der EU nachdrücklich aber Ambitionen müssen mit regulatorischer Präzision einhergehen“, betonte Daniel Schaffer, Vizepräsident der TSCA und CEO der Foundation for Environmental Education (FEE), Betreiber des Green Key International-Programms.
„Wenn Vorschriften zu allgemein gehalten sind, berücksichtigen sie nicht die Komplexität einzelner Branchen. Der Tourismussektor und seine Teilbereiche wie Bau, Gastgewerbe und Transport stehen jeweils vor eigenen Herausforderungen und Chancen. Damit Nachhaltigkeitspolitik tatsächlich positive Umweltwirkungen erzielt, muss die Konsultation auf Branchenebene stattfinden. Nur so können EU-Richtlinien die realen betrieblichen Gegebenheiten abbilden.“

„Branchenspezifische Beteiligung ermöglicht es den politischen Entscheidungsträgern, Rahmenwerke zu entwickeln, die ambitioniert und zugleich praxisnah sind. Gleichzeitig bleiben Nachhaltigkeitsinstrumente erschwinglich und relevant für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), sodass diese aktiv an Europas Nachhaltigkeitstransition teilnehmen können“, ergänzte Schaffer.

Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Vergabe von Nachhaltigkeitszertifikaten warnt die TSCA davor, dass plötzliche regulatorische Änderungen Ressourcen von wirklich wirksamen Nachhaltigkeitsinitiativen abziehen. Dieser Druck ist besonders in grenzüberschreitenden Branchen wie Reisen und Tourismus spürbar, die bereits durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und die Empowering Consumers for the Green Transition Directive (ECGTD) zusätzliche Verpflichtungen tragen.

Die TSCA befürchtet, dass allgemein gehaltene Anforderungen, die branchenübergreifend auf Unternehmen mit sehr unterschiedlicher Größe und Komplexität angewendet werden, die Wirkung der EU-Nachhaltigkeitspolitik abschwächen könnten. Der Tourismussektor, der aus einer Vielzahl von kleinen, mittleren und großen Unternehmen besteht, kann nicht effektiv mit Rahmenwerken gesteuert werden, die für multi-trillionenschwere Infrastruktur-, Produktions- oder Ressourcensektoren konzipiert sind. One-Size-Fits-All-Politik lässt sich über Branchen mit stark unterschiedlichen betrieblichen Realitäten hinweg nicht wirksam umsetzen.

Die TSCA fordert die EU daher auf, frühzeitige, tiefgehende Konsultationsmechanismen in künftige Gesetzgebungsprozesse zu integrieren, einschließlich ständiger Ausschüsse oder spezieller Foren für zentrale Sektoren wie Reise und Tourismus. Dies würde sicherstellen, dass politische Maßnahmen die realen Betriebsbedingungen widerspiegeln und die Umsetzung in den Mitgliedstaaten weniger fragmentiert erfolgt.

Vizepräsident Schaffer erklärt: „Unsicherheit ist der Feind des Fortschritts. Unternehmen brauchen stabile, vorhersehbare politische Signale, um langfristig und selbstbewusst in Umweltverbesserungen investieren zu können. Frühe Beteiligung der Industrie ist kein Pflichtfeld, sie ist essenziell, um Gesetze zu schaffen, die wirklich funktionieren.“

Als Spitzenvertretung für Nachhaltigkeitszertifizierungen versteht sich die TSCA als konstruktiver Partner der Politik. Die Allianz nutzt ihre Erfahrung, um die betrieblichen Realitäten von Reise und Tourismus in klare, umsetzbare Empfehlungen zu übersetzen, die Klarheit schaffen, Unsicherheiten reduzieren und Umweltfortschritte beschleunigen.

Zertifizierung als Motor für Nachhaltigkeit und Compliance

Die TSCA betont außerdem, dass Nachhaltigkeitszertifizierung mittlerweile ein Governance- und Compliance-Instrument ist – nicht bloß ein Marketingmittel. Die glaubwürdigen, von TSCA-Mitgliedern betriebenen Zertifikationsprogramme liefern überprüfte Umweltdaten, fundierte Nachweise und transparente Governance-Prozesse, die mit der EU-Ausrichtung für Tourismus und Reisen übereinstimmen: die Reduzierung rechtlicher und reputationsbezogener Risiken durch unüberprüfte Umweltkommunikation.

Zudem unterstreicht die TSCA die zentrale Rolle von Zertifizierungen bei der Unterstützung von KMU und touristischen Zielgebieten, die das Fundament der Tourismuswirtschaft bilden. Strukturierte Zertifizierungsrahmen bieten KMU praxisnahe Orientierung, messbare Benchmarks und geprüfte Berichtspflichten, die mit den Nachhaltigkeitspolitiken der EU im Einklang stehen. In einem noch im Wandel befindlichen regulatorischen Umfeld ermöglichen Zertifikate es Unternehmen, verantwortungsvoll zu kommunizieren, evidenzbasierte Nachhaltigkeitsansprüche zu erfüllen, CSRD-konforme Berichte zu liefern und das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.

Die TSCA fordert daher eine stärkere, branchenspezifische Einbindung in EU-Gesetzgebungsverfahren. Zwar spielt Konsultation bereits eine Rolle in der Politikgestaltung, doch Nachhaltigkeitsrahmenwerke sind am effektivsten, wenn die Beteiligung auf Branchenebene erfolgt. So können politische Entscheidungsträger die realen Gegebenheiten in Tourismus und Gastgewerbe besser verstehen und Richtlinien entwickeln, die diesen Anforderungen gerecht werden.

TourCert-Statement:
Als Mitglied der TSCA möchte TourCert die fachlichen Einschätzungen der Allianz aus Sicht der Geschäftsführung ergänzen. Marco Giraldo, Managing Partner von TourCert, kommentiert dazu:

„TourCert unterstützt die Forderung nach branchenspezifischen Rahmenwerken für Tourismus und Gastgewerbe. Wir sehen, dass klare, praxisnahe Richtlinien und Zertifizierungen kleine und mittlere Unternehmen gezielt stärken, die Umsetzung EU-weiter Nachhaltigkeitsziele erleichtern und zugleich operative Realität und Umweltschutz sinnvoll verbinden.“

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Veröffentlicht am

März 31, 2026

Lesedauer

3 Minuten

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Schlagwörter

Compliance | EU | Gastgewerbe | Green Claims Directive | KMU | Nachhaltigkeit | Tourismus | Umweltpolitik | Zertifizierung

Über die Tourism Sustainability Certifications Alliance (TSCA)


Die TSCA ist ein globaler Zusammenschluss führender Organisationen für Nachhaltigkeitszertifizierung. Sie übersetzt die betrieblichen Realitäten von Reise und Tourismus in praxisnahe Handlungsempfehlungen für eine wirksame Umweltregulierung.

Seit über 30 Jahren entwickelt die Allianz die Best-Practice-Standards für nachhaltigen Tourismus und hat weltweit mehr als 19.000 führende Reise- und Tourismusunternehmen, Organisationen und Destinationen zertifiziert. Zu den Mitgliedern gehören u. a. die Foundation for Environmental Education (FEE), Betreiber des international anerkannten Green Key-Umweltzeichens für nachhaltige Tourismusbetriebe.

Die Allianz wurde gegründet, um Best Practices zu fördern und die globale Zusammenarbeit zwischen Organisationen zu stärken. Ecotourism Australia bekleidet den ersten Vorsitz der Allianz.

Gründungsmitglieder der TSCA:

Zu den EU-Nachhaltigkeitsregelungen:

  • CSRD – Corporate Sustainability Reporting Directive: Gesetz zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, das große Unternehmen verpflichtet, standardisierte ESG-Daten offenzulegen.
  • ECGTD – Empowering Consumers for the Green Transition Directive: EU-Richtlinie von 2024 zur Bekämpfung von Greenwashing im Marketing. Sie verlangt, dass Nachhaltigkeitsansprüche spezifisch, überprüfbar und belegbar sind.
  • GCD – Green Claims Directive: Vorgeschlagene EU-Richtlinie für wissenschaftlich fundierte Umweltangaben, die unabhängige Überprüfungen verlangt. Die Verhandlungen wurden Mitte 2025 aufgrund politischer Bedenken und Streitigkeiten zwischen Mitgliedstaaten ausgesetzt.

Die vollständige offizielle Pressemitteilung der TSCA steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

Die Allianz für Nachhaltigkeitszertifizierungen im Tourismus (TSCA) vereint führende globale Zertifizierungsstellen, um glaubwürdige und harmonisierte Standards für nachhaltigen Tourismus zu schaffen und Greenwashing aktiv entgegenzuwirken.

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